Leech auf der Flucht


Leech sa? an seinem Interface und durchforstete Log-Dateien. Meistens sammelten seine Suchroboter nur sinnlose Daten, Millionen von Dateien t?glich, ?ber 99% der "Beute" l?schte der Filter aber gleich wieder. Nur ein bi?chen was blieb dann noch zur?ck. Von den Millionen von Dateien waren das dann aber immerhin noch ein paar hundert. Leech mu?te sie pers?nlich untersuchen. Und nur alle paar Tage waren wirklich wichtige Dokumente darunter, die er dann in seine pers?nliche Bibliothek einsortierte um bei Bedarf darauf zur?ckgreifen zu k?nnen. Er sammelte Zugangscodes, Passw?rter und digitale Schl?ssel und Signaturen. Und, wenn er dazu einen konkreten Auftrag bekam, suchte er auch andere Infos. Geheime Unterlagen von Firmen, die er f?r die Konkurrenz beschaffte. Oder auch Information ?ber bestimmte Personen in hohen Positionen. Was immer der Kunde w?nscht. Die Kunst ist nicht, an die Informationen heranzukommen. Das w?re keine Herausforderung. Aber die Informationen zu entwenden ohne, dass es jemand merkt, keine Spuren zu hinterlassen, die darauf schlie?en lie?en, dass etwas passiert ist, darin bestand die schwierige Ausgabe. Wie dem auch sei, jetzt hatte er quasi gerade wieder seine Netze eingeholt und kontrollierte den Fang. Neben zahlreichen wertlosen Bits und Bytes, hatte er offenbar eine Reihe LOG-Files im Netz. Normalerweise w?rden solche Dinge gar nicht zu ihm durchdringen. Die Filtersoftware h?tte sie sofort beseitigen m?ssen. Aber diese Dateien waren offenbar anders. Sie waren irgendwie besonders. Verschl?sselt. Gut, verschl?sselte Logdateien waren wohl nichts ungew?hnliches mehr (er mu?te grinsen, bei dem Gedanken an fr?her, wo alle m?glichen Dateien noch unverschl?sselt abgelegt wurden und jedem guten Hacker auf Millionen von Systemen offenstanden, sobald man sich einmal reingehackt hatte) aber diese hier hatten eine StoneOne-Hardcrypt-Verschl?sselung. Das war eigentlich eine private Verschl?sselungsmethode, die von einem der letzten gro?en, freischaffenden Hacker, der f?r noch f?r Geld arbeitete, einem antiquierten S?ldner-Hacker quasi, programmiert worden war. Er war bekannt unter dem Namen StoneFox. Seine IT-Security-Firma florierte noch immer, w?hrend er wohl schon seit Jahren im "Ruhestand" war, wenn es so etwas bei Hackern gibt. Dieser Code wich etwas von der kommerziellen Variante ab, die Leech ziemlich gut kannte und schon Tausende Male geknackt hatte. Es mu?te also echt wichtig sein, was auch immer da in diesen Dateien stand, auch wenn man nicht davon ausgehen konnte, dass es sich um private Dateien von StoneFox handelte... Es sei denn... man h?tte ihm die Dateien unterschieben wollen. Konnte das sein?

Schnell hackte Leech ein paar Zeilen in sein Interface, um festzustellen, ob seine Sicherheitsma?nahmen noch aktiv waren. Irgendwie hatte er pl?tzlich ein ziemlich ungutes Gef?hl. Alles schien ruhig zu sein. Seine D?monen (das waren Programme, die im Hintergrund ihre Arbeit verrichteten, ohne dass man sie wahrnahm) schienen brav jeglichen ein- und ausgehenden Datenverkehr zu scannen, g?be es auff?llige Transfers oder w?rde ein Programm versuchen eine ungewollte Netzverbindung aufzubauen, dann w?rde einer seiner digitalen W?chter Alarm schlagen. Vorsichtshalber sollte er vielleicht die kompletten Logdateiaufkommen auf seinen mobilen Rechner, seine Sandbox ?bertragen und ein paar gesichterte Kopien auf verschiedene DropPoints im Netz hochladen. Eine der obersten Regeln f?r Hacker seitdem die gro?en IT Konsortien die Anti-Hacking-Inititiative losgetreten hatten, war, niemals allein einen b?sen Hack durchzuf?hren. Wegen der pers?nlichen Sicherheit war es von unsch?tzbarem Vorteil 10-20 befreundete Hacker (befreundet bedeutete in diesem speziellen Fall, dass man sich auch pers?nlich kannte, was durchaus den Kreis der in Frage kommenden empfindlich einengte) zu informieren, ihnen komplette Datens?tze des zu hackenden Materials zukommen zu lassen (falls das Ziel nicht ohnehin offen zug?nglich war) und erst DANN etwas zu unternehmen. So war sichergestellt, dass einzelne Hacker, die bestimmten Leuten ein Dorn im Auge waren, nicht einfach spurlos verschwanden wie im Guerillakrieg. Seine 'Arbeit' verrichtete man dann am besten auf unvernetzten Low-Level Maschinen auch sandbox genannt, weil man auf ihnen herumprobieren konnte, ohne zwangsl?ufig einer Gefahr ausgesetzt zu sein. Die Rechner k?nnen ruhig ausfallen oder von gef?hrlicher Software infiziert werden aber vor allem haben sie (idealerweise) keinerlei Verbindnung zur Au?enwelt. Keine aktive Schnittstelle, keine Hardware f?r Wireless LAN, Wireless USB, Bluetooth, Mobile DSL, GPRS oder UMTS. M?glichst wenig Strahlung, damit auch Van-Eck-Phreaking verhindert wird. Eine unabh?ngige nicht mit dem Powerline Netz verbundene Stromversorgung. Meist gen?gte daf?r ein wirklich alter 'Laptop', so wurden fr?her die mobilen Computer genannt, bevor die GigaBit-Vernetzung dazu f?hrte, dass nicht zwangsl?ufig jeder seine eigenen mobilen Rechner mit sich f?hren mu?te, um an seine pers?nlichen Daten heranzukommen. Manche Hacker trugen auch modifizierte Terminals oder PCs mit sich. Fr?her hatte man noch eine klare Trennung zwischen on-line und off-line, zwischen Daten im Netzwerk und Daten auf dem heimischen System, zwischen freigegebenen Daten und privaten Informationen. Heutzutage war beinahe jede verf?gbare Kabelverbindung auch eine Datenverbindung ins weltweite Netz und die Luft war geradezu durchsetzt von Datenpaketen, die zwischen den nicht mal mehr nanometer-gro?en Antennen hin- und herschwirrten...

Pl?tzlich ging ein Fenster im Interface auf: "Eine unbekannte Datenverbindung wurde etabliert. Leech mu?te feststellen, da? seine D?monen nicht in der Lage waren, die Verbindung zu unterbrechen. Die Verbindung konnte auch nicht angezapft werden, es war also nicht mal herauszufinden, was da eigentlich ?bertragen wurde. Leech griff sich den zweiten Datenhandschuh und lie? sich seine dreidimensionale Bedienoberfl?che projizieren. Er hackte die Befehle mit wahnsinniger Geschwindigkeit in das System. Die Verbindung war offenbar hard-wired, also nicht kabellos, folglich mu?te er eine Stelle finden, an der er die Informationen auslesen konnte, die ?bertragen wurden quasi eine Art Mautbr?cke auf einer Autobahn. Es gelang ihm einen Teil des Datenverkehrs abzugreifen und er stellte fest, das es sich ebenfalls um Stone-1-verschl?sseltes zeug handelte. W?tend versuchte Leech s?mtliche Datenverbindungen zu schlie?en. Doch offenbar hatte ein fremdes Programm schon die Kontrolle ?ber seine System-Services ?bernommen. Da bleibt nur eine M?glichkeit: Dem Stecker ziehen. Leech will sich gerade zum Hauptschalter an der Wand begeben, als sich ein Video-Link in seinem Interface ?ffnet. Der Schatten eines Gesichtes erscheint und eine verzerrte Stimme wird ?bertragen: " Verlassen Sie diesen Ort. Schnell! Sie sind in Gefahr! Weitere Anweisungen finden sie in den Log-Files auf ihrer Sandbox. Machen Sie, dass sie da wegkommen!2 Dann verschwindet alles. S?ntliche Datenverbindungen scheinen jetzt offen zu sein und Leech mu? zusehen, wie jedes einzelne Byte seines Systems f?rmlich abgesaugt wird und im Netz verschwindet. Auf nimmer Wiedersehen. Er greift seinen Sandbox-Rechner (einen alten Laptop aus dem Jahr 2000, mit einem gro?en Graffiti "Millenium bug" auf dem Deckel), wirft das Interface und die Datenhandschuhe in die Ecke und st?rzt durch ein zweite T?r aus dem Raum. Erl?uft souver?n um die Ecke und nimmt den Lastenaufzug nach unten. Er h?rt durch ein Fenster im ersten Stock wie Dutzende M?nner mit schweren Stiefeln in Begleitung von Roboter-Soldaten, die man durch jedes Bewegungsger?usch erkennt, in sein Domizil eindringen. Er fl?chtet schnell in eine kleine Gasse...


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characters: Jack, Leech, Father Tecks, Tridia, StoneFox
scenes: Der Anfang, Inside a rotten building, Es hat geregnet, Leech auf der Flucht, Leech in "Matrix Corner"
close-to-ready: Prolog, ChapterOne
glossar: CSB, LeechsInterface, Hacker, HackerKernel, Corp10


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